Gedanken eines Autors

Ich wurde von einer Frau geboren, gezeugt von einem Mann: meinen Eltern. Und während der Krieg der Geschlechter ohne Hinweis auf ein mögliches Ende weitertobt, bin ich irgendwann zwischen die feindlichen Linien geraten und bewege mich seitdem im Niemandsland.

Ist es etwas vernünftig, dass intelligentes Protoplasma diese Art von Trennung aufrechterhält? Auch, aber das mag freilich aus selbstsüchtigen Gründen geschehen, denke nicht in diesen herkömmlichen Mustern. Der törichte französische Ausspruch“ vive la diffrence“ ist dem weiblichen Geschlecht nicht gerade dienlich. Er bezieht sich auf den philosophischen Irrglauben des Mittelalters, der es Männern in reizenden Strumpfhosen ermöglichte, Frauen auf einen Sockel zu stellen; i8m übertragenen Sinne, versteht sich. Sonst hätte man junge Männer gehabt, die dem Objekt ihrer poetischen Leidenschaft sagen „Schaue sie, Geliebte, ich habe ihr ein Podest gekauft, für sie ganz allein, steige sie hinauf, ich werde zu einer Ballade anheben“. Und so begann die sexuelle Ghettoisierung, die bis heute andauert.

Diese Abgrenzungsbestrebungen haben sich so etabliert, dass Minderheiten begonnen haben, sie auch für sich zu vereinnahmen, paradoxerweise aus genau entgegengesetzten Gründen; die Gruppe der Homosexuellen ist ein perfektes Beispiel dafür, wie es funktioniert. Je mehr du mit den Armen ruderst und sagst „Ich bin anders, aber ich will behandelt werden wie jedermann“, desto deutlicher wird die Abgrenzung; der Ruf nach Freiheit wir zu einer Form der Isolation.

Transvestiten werden als psychologische Entgleisung wahrgenommen. Niemand scheint genau zu wissen, wie, oder mehr noch, warum man zum Transvestiten wird. Ein kühner Erklärungsversuch ist Wiedergeburt. Das Versagen hormoneller Steuerungen während der Schwangerschaft ist eine wahrscheinlichere Erklärung, oder auch das Resultat traumatischer Lebensumstände in der Kindheit. Welchen Grund es auch immer haben mag, es ist Zeit für uns, die Wände einzureißen, die wir zwischen uns aufbauen, und der Individualität zu erlauben, im Geiste wahrer Freiheit zu erblühen. Es ist an der Zeit, dass die Menschheit einfühlsamer wird; die Barbaren haben diesen Planeten lange genug beherrscht. Also, wenn du Lust hast, in ein kleines schwarzes Straps-Outfit zu schlüpfen, nimm dir die Freiheit, denn es steht geschrieben (jetzt jedenfalls), dass noch niemals eine Armee in Netzstrümpfen und 15-cm-Pfennigabsätzen marschiert ist.

Richard O’Brien